Pauls-Autismus
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Tja. Und hier sind wir glaube ich am Knackpunkt von dem, was viele nicht verstehen.


Paul weiß nicht wann er jemanden zur Weißglut bringt. Er kann nicht einschätzen, ob jemand traurig, wütend oder glücklich ist.


Er kann nicht Kontakt mit anderen aufnehmen, so wie wir das machen.


Wenn ihm jemand beispielsweise mit einem Klaps auf den Hintern begrüßt, dann schlägt er zurück. Wenn ihn jemand haut, dann haue ich zurück sagt er. Das es freundschaftlich gemeint ist, versteht er nicht.


Wenn er sich im Spiel freut, lacht er sehr laut. Er denkt, das muss so sein, damit andere seine Freude teilen.


Wenn er sich stößt (und es mitbekommt), dann schreit er sehr laut, damit andere wissen, das er sich gestoßen hat.


Paul hat eine kleine Schwester (derzeit 12 Monate alt(mittlerweile 3 Jahre). Er versteht nicht, das er ihr weh tut, wenn er ihr auf den Rücken klopft   (er versucht uns nachzuahmen(Bäuerchen)). Da er seine Kraft nicht einschätzen kann, haut er sehr feste.
Zudem versucht er sie immer hoch zu heben. Hier besteht die Gefahr, das er sie dann auch einfach loslässt. Kam schon vor, jedoch war ich in der Nähe.
Er weiß nicht, das ein Baby oder Kleinkind zerbrechliche Wesen sind.


Wenn andere Kinder weinen, ist es für Paul unverständlich. Er schreit und will das sie damit aufhören.

Paul ist es quasi egal, was andere von ihm denken. Während wir von seinem sechsjährigen Bruder immer wieder diese Sprüche hören, wie z. B. “Ich bin nicht mehr dein Freund” oder “Ich lade dich nicht zu meinem Geburtstag ein”, haben wir soetwas von Paul NIE gehört.


Oder wenn wir schimpfen. Das imponiert Paul überhaupt nicht. Andere Kinder sind dann traurig, oder wollen kuscheln. Man merkt das es ihnen leid tut. Soetwas haben wir noch  nie bei Paul erlebt. Er nimmt es nicht wahr.


Kennen Sie das, wenn Sie ihr Kind bei etwas erwischen, und es weiß sofort, das es etwas falsch gemacht hat, ohne das sie was sagen.

Auch dies gibt es bei Paul nicht.
Er weiß nicht das es falsch ist, jemanden zu hauen, an den Fernseher zu gehen, auf Stromkabeln zu kauen oder sich irgendwo etwas heimlich zu nehmen. Er hat kein schlechtes Gewissen.
All dies macht er aber nicht aus böswilligkeit. Dies sei hier nochmal LAUT gesagt. Denn dies wird ihm immer wieder unterstellt.

 

 Routine
Paul braucht einen streng gesteckten Rahmen mit vertrauten Routinen.


Man kann nicht einfach mal so einen anderen Weg gehen, oder statt diesem jenen besuchen.
Alles muss bis ins kleinste Detail mit Paul vorher besprochen werden. Er wird darauf vorbereitet was an diesem Tag alles passiert. Hierbei muss man beachten, das er auch mit einer eventuellen Änderung umgehen kann.
Als nächstes will ich ein paar kleine Beispiele für Routinen nennen.
Schuhe anziehen.
Hier muss immer zuerst der Rechte angezogen werden. Ist dies nicht der Fall, rastet Paul aus, schreit, weint und schlägt. Schuhe müssen nochmal ausgezogen und neu angezogen werden.
In aus diesen für ihn sehr schlimmen Situationen rauszuholen ist äusserst schwierig. Hier hilft nur ganz viel Geduld und versuchen ruhig zu bleiben.
Der Gang zum Kindergarten (dies hat sich mittlerweile etwas gebessert, da er sich hier in der Ortschaft gut auskennt und älter geworden ist)
Wir MÜSSEN immer den selben Weg gehen. Es darf keine Abweichungen geben. Ist dies der Fall ist Paul extrem verunsichert, weint, hat riesige Angst was jetzt wohl passieren mag.
Mittlerweile haben wir zwei Wege die wir gehen können. Auf jeden Fall müssen wir JEDEN morgen zum Bäcker, damit er sich sein Brezel kaufen kann. Dann frage ich Ihn, ob wir über den Zebrastreifen gehen möchten oder beim Fischmann vorbei. Ich könnte nicht einfach entscheiden jetzt über den Zebrastreifen zu gehen. Dies würde einen Zusammenbruch für Paul bedeuten.
Einkaufen
Ich bespreche mit Paul wohin wir gehen und gehe mit ihm zusammen die Einkaufsliste durch. Somit weiss er genau, was wir jetzt machen. Würden wir dies nicht tun, wäre die Folge stundenlanges Geschreie im Laden.
Früher endeten unsere Einkaufstouren immer so. Reaktionen von den anderen Leuten könnt ihr euch sicherlich vorstellen: kopfschütteln, dem gehören mal ein paar auf den Hintern gehauen usw.
Spielen
Paul stellt seine eigenen Regeln auf. Es ist sehr schwierig ihm die richtigen Regeln zu erklären. Läuft etwas nicht so ab, wie er es sich vorstellt, bzw. wie er es vorher schon mal gesehen hat, endet auch dies in Geschrei und autoaggressivem Verhalten.

 

 

Weitere Verhaltensweisen


Wie oft geht es Eltern so, das sie Ihren Kindern etwas gefühlte hundert mal sagen müssen, bis sie es kapiert haben.
Wir müssen es Paul gefühlte 1 million mal sagen und dann kann es passieren, das er es doch nicht versteht, bzw. sich diese Verhaltensweise aneignet.
Ob Paul wirklich alles versteht, was wir ihm beibringen, können wir nicht sagen. Immer wieder bemerke ich, das es erlernte Verhaltensweisen sind, die auf keinen Fall von der Norm abweichen dürfen.

Wenn wir auf etwas mit dem Finger zeigen, schaut er sich um, aber er schaut nicht dorthin wo wir mit dem Finger hindeuten. Er läuft daran vorbei.


Auch örtliche Beschreibung, wie “ es liegt vor der Couch” kommen nicht oder nur teilweise bei ihm an. Er läuft um die ganze Couch aber nicht zielgerichtet vor die Couch.


Wenn er unter großer Anspannung steht, läuft er nur auf Zehenspitzen. Er wedelt mit den Händen oder wippt mit seinem Oberkörper. Zudem schreit er oft. Dieses Schreien kennen wir von den Affen (entschuldigt den Vergleich aber so ist es nunmal). Kurze, abgehackte, sehr laute Schreie.


Mittlerweile weiß er, das er jemanden anschauen soll, wenn er mit ihm spricht. Dies klappt jedoch nicht immer und wenn nur kurz.


Andere Beispiele
Wenn wir Besuch bekommen.
Paul MUSS die Tür öffnen, wenn es geklingelt hat. Falls ihm jemand zuvor kommt, rastet er aus, schreit, weint. (Mittlerweile kommt ihm keiner mehr zuvor).
Er begrüsst den Gast, sagt Hallo. Wenn er den Gast kennt, erwartet er die Frage: Wie geht es Dir? Kommt diese nicht, sagt er trotzdem : Mir geht es gut.


Paul schläft sehr wenig. Das heißt er ist entweder sehr lange wach (22 - 23 Uhr) oder er steht morgens um 4-5 Uhr auf. Dann ist er aber nicht leise und kommt zum kuscheln. Er spielt lautstark, will alle anderen wach machen, denn die schlafenszeit ist seines Erachtens ja vorbei.
Auch auf die Aufforderung hin, bitte etwas leiser zu sein, oder spielerisch zu flüstern: keine Chance. Statt dessen beginnt er noch zu schreien, sollten die anderen nicht aufstehen.

Paul sagt einem auch etwas in vielen Wiederholungen. Dies läuft ca so ab:
Paul “Ist morgen Samstag?”
Mama “Ja”
Paul”Ist der Kindergarten geschlossen?”
Mama “Ja”
Dann erzählt er mir (ich bin die Mama) das morgen Samstag ist und der Kindergarten geschlossen ist. Dann fängt er wieder an zu fragen und erzählt es mir wieder.
Nach dem 10-15 mal muss ich ihn dann meistens irgendwie ablenken weil es wirklich nervig ist (auch wenn das jetzt gemein klingt)

Er erzählt einem wirklich immer wieder das gleiche, aber nicht zeitversetzt, sondern wie als ob eine Platte hängen geblieben ist. Er erwartet dabei immer eine Bestätigung.